Reinhart
Ostertag
Reinhart
Ostertag wurde am 28.10.1913 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur trat er der
Handelsmarine bei. Hier musste er zunächst als Schiffsjunge eine rauhe,
beinharte Ausbildung durchstehen. Die Erinnerung daran blieb in ihm stets
lebendig.
1936
wechselte er zur Kriegsmarine über und fuhr erst als Wachoffizier, dann als
Kommandant, ab 1944 als Chef einer Minensuchflottille zur See. Bis 1947 räumte
sein Verband Seeminen. 1951 wurde Ostertag von dem unter Besatzungskommando
stehenden Minenräumdienst (LSU-B) als Ausbildungsleiter übernommen.
Nach
Auflösung des LSU-B trat er 1958 in die Bundesmarine ein und übernahm das in
der Aufstellung befindliche 4. Minensuchgeschwader als Kommandeur. Später
bewies er seine Menschenkenntnis als Referent in der Personalabteilung des
Verteidigungsministeriums, wie auch als Stellvertretender Amtschef des
Marineamtes in Wilhelmshaven. Danach wurde ihm die Führung der Flottille der
Minenstreitkräfte anvertraut. Dank seiner Methodik und Führungsqualitäten
verhalf er diesem größten Typverband der Bundesmarine zu einem besonders hohen
Ausbildungsstand. Den Abschluss seiner militärischen Laufbahn bildete die
Versetzung nach Flensburg-Mürwik als Flottillenadmiral und Kommandeur der
Marineschule.
Auch
nach seiner Pensionierung ruhte sein Geist nicht. Als Redakteur des Marineteils
der Monatszeitschrift "Die Truppenpraxis" bemühte er sich um
Weiterbildung und Information der Soldaten. Nebenher verfasste er nach
jahrelangem Quellenstudium eine umfassende "Geschichte der Deutschen
Minensucher", die auch verlegt wurde.
Reinhart
Ostertag wurde 1965 Mitglied des LC Cuxhaven und trat unserem Club am 25.8.1968
bei. Schon als Präsident 1972173 engagierte er sich in der Drogenprävention
und ließ u.a. 17.000 Broschüren an Schüler, Eltern, Ärzte und alle deutschen
LC verteilen. Später - als Drogenbeauftragter unseres Clubs - veranlasste er
zahlreiche Vorträge und knüpfte enge Kontakte zum Stadtelternrat, zur Polizei
und zu Ärzten.
Das
Studium historischer Literatur und die Kunst des Formulierens bedeuteten ihm,
der schon als junger Offizier "der Professor" genannt wurde, viel. So
verfasste er auch die erste Clubchronik.
Er
war nicht redselig - vielmehr ein feinsinniger, fesselnder Gesellschafter mit
profunden Geschichtskenntnissen und künstlerischem Verständnis. Wenn er sich
zu Wort meldete, verstummte die Runde erwartungsvoll. Er schuf mit
wohlabgewogenen Worten Klarheit und Konsens. Bequemlichkeit und Drückebergerei
waren ihm zuwider. Solange seine Gesundheit es zuließ, war er präsent.
Er
führte eine glückliche, harmonische Ehe, aus der 3 Kinder hervorgingen. Nach
langem, geduldig ertragenem Leiden verstarb er am 20. März 1994.